Dieses Dokument dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt weder Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung dar. Es berücksichtigt keine individuellen Ziele, Risikoneigung oder finanziellen Verhältnisse. Gehebelte ETFs sind komplexe Produkte und können zu erheblichen Verlusten führen. Angaben zu Steuern und Recht sind allgemeiner Natur und ersetzen keine individuelle Beratung.
Strategische Einsatzweise und Portfoliointegration
1 Risiko-Rendite-Verhältnis verschiedener Anlageklassen
2 Langfristiger Nutzen moderaten Hebels - empirische Evidenz
2.1 Theoretischer Rahmen
2.2 Empirische Befunde
2.3 Laufzeitabhängige Hebelbandbreiten
2.4 HFEA und europäische Varianten (nach ZahlGraf)
Strategische Einsatzweise und Portfoliointegration
1 Risiko-Rendite-Verhältnis verschiedener Anlageklassen
Das Verhältnis von erwarteter Rendite zu Risiko, meist über die Volatilität gemessen, ist der Kern jeder Portfoliobetrachtung. Langfristige Datenreihen zu globalen Aktien und Anleihen zeigen dabei recht stabile Größenordnungen: Aktien bringen im Schnitt höhere Erträge als Staatsanleihen, dafür mit deutlich mehr Schwankung.
Auf Basis historischer Langfristdaten (ab 1970) und eigener, vereinfachter Backtests ergeben sich für typische Anlageklassen in entwickelten Märkten grob folgende Bandbreiten:
* Für 2x-gehebelte Aktienstrategien existieren naturgemäß keine über viele Jahrzehnte durchgehende Produkt-Historie. Die Angaben basieren daher auf einer Kombination aus langfristigen Aktienrenditen (MSCI World / S&P 500; vgl. Global Investment Returns Yearbook, UBS/Credit Suisse) und der Monte-Carlo-Analyse von Trainor & Baryla, die zeigt, dass ein typischer 2x-Aktien-LETF über Halteperioden bis zehn Jahre im Mittel nur etwa das 1,4-fache der Indexrendite erzielt, während die Standardabweichung näherungsweise verdoppelt wird.
[1] [2]
Die Sharpe Ratio beschreibt die risikoadjustierte Überschussrendite, also die Rendite oberhalb des risikofreien Zinssatzes je Volatilität:
In einem idealisierten CAPM-Umfeld (Capital Asset Pricing Model) gilt: Wer einen ungehebelten, gut diversifizierten Marktindex nimmt und diesen über Kredite oder Derivate hebelt, bewegt sich entlang der Kapitalmarktlinie (eine Gerade, die im CAPM die beste Kombination aus Risiko und Rendite darstellt). Rendite und Risiko steigen proportional, das Verhältnis aus Überschussrendite zu Risiko (Sharpe Ratio) bleibt theoretisch konstant.
Für reale LETFs gilt das nur näherungsweise. In der Praxis weichen sie aus drei Gründen nach unten ab:
· Finanzierungskosten (Geldmarktsatz zuzüglich ggf. eines Spreads),
· Volatility Drag durch das tägliche Rebalancing,
· asymmetrische Drawdown-Effekte (maximaler zwischenzeitlicher Verlust vom vorherigen Höchststand) in Krisenphasen.
Die Literatur bestätigt diese Tendenz. Man kommt zu dem Ergebnis, dass zweifach gehebelte LETFs langfristig typischerweise eine niedrigere Sharpe Ratio aufweisen als ihre ungehebelten Referenz-ETFs, weil die Volatilität stärker ansteigt als die erwartete Rendite. Auf Basis dieser Befunde lässt sich festhalten: Die risikoadjustierte Effizienz gehebelter Aktienstrategien ist zwar etwas schlechter als die des zugrunde liegenden Index, bleibt bei moderater Hebelung jedoch klar positiv. [3]
Neben dem marktüblichen Risiko höherer Drawdowns existieren bei gehebelten ETFs zwei Risiken, die sich durch Diversifikation oder Trendfilter (Regel, die anhand eines Trendindikators zwischen investieren und Ausstieg unterscheidet) nur begrenzt reduzieren lassen:
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Zinsrisiko der Finanzierung: Steigen die kurzfristigen Geldmarktsätze deutlich an (z. B. von 0 % auf 4 % p. a.), verschlechtert sich die Nettorendite gehebelter Produkte spürbar, da der finanzierte Anteil täglich zum höheren Satz verlängert wird. Dieser Effekt ist keine Marktvolatilität, sondern eine dauerhafte Verschiebung der Kostenstruktur.
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Produkt- bzw. Auflösungsrisiko: In sehr heftigen Marktphasen können Emittenten die Anteilsausgabe aussetzen, die Berechnungsmethodik anpassen oder ein Produkt vollständig auflösen. Dieses Risiko ist inhärent zur täglichen Hebelmechanik und verbleibt auch dann, wenn die Anlegerin bzw. der Anleger psychologisch zu hohen Drawdowns bereit ist.
Diese beiden Punkte sollten bei der Wahl eines langfristig haltbaren Hebels bewusst berücksichtigt werden.
2 Langfristiger Nutzen moderaten Hebels - empirische Evidenz
2.1 Theoretischer Rahmen
Ein einfacher theoretischer Ausgangspunkt für die Frage nach der „richtigen“ Hebelstärke ist das Kelly-Kriterium (Kelly, 1956). In seiner Grundform lautet es:
Setzt man für einen globalen Aktienindex typische Größenordnungen an
(z. B. E[R] ≈ 7-8% p.a., R von f ≈ 1-2% p.a., 𝜎 ≈ 16-18% p.a.),
ergibt sich modellhaft ein wachstumsmaximierender Hebel größer 1 und grob in einer Bandbreite zwischen etwa 1,5 und 2.
Wichtig ist dabei:
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Kelly arbeitet mit Erwartungswerten, die in der Praxis nicht beobachtbar sind.
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Schon kleine Schätzfehler bei E[R] oder 𝜎 verschieben k* deutlich.
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Reale Faktoren wie Produktkosten, Finanzierungskosten, Steuern und persönliche Risikotragfähigkeit sind nicht enthalten.
In der Praxis wird Kelly daher meist als Obergrenze verstanden. Viele Autoren empfehlen „Fractional Kelly“, also bewusst nur einen Teil des theoretischen Hebels umzusetzen.
2.2 Empirische Befunde
Die theoretische Aussage „Hebel > 1 kann sinnvoll sein“ beantwortet noch nicht die praktische Frage, ob moderater Leverage auf einen globalen Aktienindex historisch tatsächlich einen Mehrwert gebracht hat und falls ja, in welcher Größenordnung.
Zwei Elemente sind dafür relevant:
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Langfristige historische Aktienprämie: Ohne positive Risikoprämie gegenüber dem Geldmarkt macht Leverage keinen Sinn.
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Pfadabhängigkeit und Drawdowns: Hebel verstärkt nicht nur die Endrendite, sondern auch Zwischenverluste.
Dabei zeigt sich: Es gibt keinen universellen Punktwert, aber es zeichnet sich eine Bandbreite ab.
Zur Orientierung eine komprimierte Übersicht mit zwei bewusst ausgewählten, nachvollziehbar dokumentierten Quellen:
¹ u/ChemicalStats rekonstruiert auf Reddit MSCI-World-Zeitreihen und einen 2x-Net-Total-Return-Index inkl. Geldmarktzinsen (z. B. Federal Funds, SOFR) und deutscher Steuerlogik.
² Notgroschen arbeitet mit täglichen MSCI-World-Daten ab 1970 und simuliert u. a. synthetische Hebelportfolios.
u/ChemicalStats (Vectis Mundi)
u/ChemicalStats dokumentiert im „Vectis Mundi“-Archiv eine detaillierte Rückrechnung des MSCI World und eines dazugehörigen synthetischen 2x-Net-Total-Return-Index. Grundlage sind offizielle MSCI-Daten, Geldmarktsätze und ein explizites Kosten- und Steuermodell.
Zentrale Ergebnisse (stark verkürzt):
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In den ausgewerteten Zeiträumen hätte der synthetische 2x-MSCI-World den ungehebelten Index im Backtest beim Endvermögen und bei der langfristigen Wachstumsrate deutlich übertroffen, allerdings um den Preis merklich höherer Volatilität und deutlich stärkerer Drawdowns.
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Diese maximalen Drawdowns liegen in den gehebelten Varianten spürbar über den ungehebelten Worst-Cases; Sparpläne dämpfen zwar Einstiegseffekte, ändern aber nichts daran, dass die Rückschläge im 2x-Szenario klar ausgeprägter sind.
Wichtig für die Interpretation:
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u/ChemicalStats optimiert nicht systematisch über verschiedene Hebelstufen, sondern vergleicht konkret einen ungehebelten MSCI World mit einer fixen 2x-Variante.
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Aus den Ergebnissen folgt daher keine explizite Aussage über einen „optimalen“ Hebel im Sinne eines globalen Maximums, sondern die Beobachtung, dass ein dauerhaft eingesetzter 2x-Hebel in der betrachteten Historie eine höhere Rendite gebracht hätte, gleichzeitig aber die Risikokennzahlen (Volatilität, Drawdown) deutlich verschlechtert.
In der Tendenz ist dieses Bild mit der Kelly-Intuition vereinbar: Ein Hebel größer 1 kann die geometrische Rendite erhöhen, solange eine positive Aktienrisikoprämie vorliegt. Wo genau das Rendite/Risiko-Optimum liegt, lässt sich aus den u/ChemicalStats-Daten allein jedoch nicht ableiten. [4]
Methodischer Ansatz bei Notgroschen
Notgroschen ergänzt das um eine konservativere, explizit Kelly-inspirierte Perspektive. In seinem Video analysiert er MSCI-World-Daten ab 1970 und konstruiert daraus synthetische Hebelstrategien, sowohl für Einmalanlagen als auch für Sparpläne. Für seine Simulation werden rollierende 30-Jahres Zeiträume betrachtet um somit den ex-post optimalen Hebel zu bestimmen. Aus der Verteilung dieser optimalen Hebel definiert er einen konservativen Hebel als 1%-Quantil. Also den Hebel, der in 99 % der historischen Pfade einem niedrigeren Leverage überlegen gewesen wäre.
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In seinem regulärem Datensatz (Originalrenditen, reale Zinsentwicklung) ergibt sich so ein konservativer Hebel von rund 1,5x.
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In einem bewusst sehr stark verschlechterten Szenario (Indexpfad um 1 % p.a. reduziert, Mindestfinanzierungskosten von 4 % p.a., damit keine Nullzinsphase) sinkt der konservative Hebel auf etwa 1,1x.
Damit liefert Notgroschen eine Spanne von ≈ 1,1–1,5x, wobei der untere Bereich dieser Spanne vernachlässigbar ist, da das bewusst verschlechterte Szenario unrealistisch und praxisfern ist, aufgrund der Annahme, dass die Equity Risk Prämie keine Rolle spielt. Es wurde trotzdem hier mit integriert, um zu zeigen, dass selbst in solch einem Modell ein moderater Hebel für bessere Ergebnisse sorgt.
Diese Ergebnisse sind, wie Notgroschen selbst betont, strikt pfadabhängig und stellen keine Renditegarantie dar. Sie illustrieren jedoch, dass ein moderater, dauerhaft gehaltener Hebel im Bereich von etwa 1,1–1,5x historisch bei Einmalanlagen in vielen Fällen deutliche Mehrerträge gebracht hätte, bei kalkulierbar höherem Drawdown, aber ohne zusätzliche Timing-Strategie wie SMA (eine Trendfilter-Strategie, welche in den kommenden Kapiteln näher erläutert wird). [5]
Es ist wichtig zu betonen, dass der optimale Hebel kein fixer Wert ist, sondern sich mit den Marktbedingungen verändert. Nach dem Kelly-Kriterium hängt k* unmittelbar von der erwarteten Rendite μ und der Varianz 𝜎² ab. Nimmt die erwartete Marktrendite zu oder die Volatilität ab, steigt der theoretisch optimale Hebel und umgekehrt.
In der Praxis ist ein solcher dynamisch angepasster Hebel jedoch kaum umsetzbar, insbesondere für Privatanleger. Da weder die zukünftige Rendite noch die künftige Volatilität bekannt sind, kann der optimale Hebelwert nur retrospektiv bestimmt werden. Der Versuch, ihn laufend anzupassen, würde hohe Transaktionskosten, Rebalancing-Aufwand und Prognoseunsicherheit verursachen.
Vor diesem Hintergrund erscheint es aus praktischer Sicht plausibel, moderate, statische Hebel in einer Bandbreite von grob um die 1,5x zu betrachten, die empirisch als „vernünftige“ Größenordnung auftreten und sie anschließend durch zusätzliche Risikosteuerung (z. B. Notgroschen’s konservative Szenarien oder SMA-Filter wie bei u/ChemicalStats) abzusichern.
Ergänzend dazu lässt sich noch erwähnen, dass Kelly im Kontext gehebelter Strategien eher als theoretischer Referenzpunkt verstanden werden sollte, als konkrete Hebel-Regel für die Praxis. Schon kleine Fehleinschätzungen bei erwarteter Rendite oder Volatilität können dazu führen, dass ein daraus abgeleiteter k* zu aggressiv ausfällt. Denn erst Kelly herzuleiten und anschließend im Nachhinein runterzufraktionieren wirkt unsauber, da man weiterhin von denselben Parametern abhängt.
Deshalb werden in der Praxis zudem Ansätze diskutiert, die den Hebel nicht über ein geschätztes k*, sondern über ein explizites Risikoziel steuern (Volatility Targeting bzw. Risk Targeting), also den Hebel so wählen, dass eine Zielvolatilität eingehalten wird. Diese Logik ist in der Umsetzung oft robuster und führt typischerweise zu weniger extremen Hebeln als eine direkte Kelly-Ableitung.
2.3 Laufzeitabhängige Hebelbandbreiten
Die empirische Auswertung einer Buy & Hold Einmalanlage in den gehebelten MSCI World über rollierende Zeitfenster zeigt, dass der sinnvoll einsetzbare Hebel nicht nur vom Marktregime (Marktphase mit typischem Trend), sondern auch vom verfügbaren Anlagehorizont abhängt.
Aufbauend auf der Methodik von Notgroschen (2025) wird der MSCI World zunächst in beliebig gehebelte Varianten überführt. Grundlage sind tägliche Daten des Preisindex, Netto-Dividendenrenditen sowie historische Finanzierungssätze (Fed Funds / SOFR), ergänzt um modellierte Produktkosten (TER) und, in einem separaten „konservativen“ Szenario, einen um 1 Prozentpunkt p. a. reduzierten Kursverlauf sowie einen Mindestzins von 4 % p. a. für die Hebelfinanzierung. Auf dieser Basis werden für alle denkbaren rollierenden Anlagezeiträume (z. B. 5, 10, 15, 20, 30, 35 Jahre) rückwirkend die Renditen eines Spektrums an Hebeln berechnet.
Für jeden Startzeitpunkt und jeden Anlagehorizont lässt sich so der ex-post renditemaximierende Hebel bestimmen. Aus der Gesamtheit dieser optimalen Hebel über alle Startzeitpunkte wird anschließend ein „konservativer Hebel“ abgeleitet, indem ein unteres Quantil der Verteilung gewählt wird. Ein 1-Prozent-Quantil bedeutet beispielsweise: Nur in 1 % der historischen Fälle wäre ein niedrigerer Hebel rentabler gewesen. Höhere Quantile (z. B. 10–25 %) stehen entsprechend für chancenorientiertere Entscheidungen.
Wird dieser Quantil basierte Ansatz für unterschiedliche Laufzeiten wiederholt, ergibt sich qualitativ folgendes Bild:
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Kurze Horizonte (≤ 10 Jahre): Bei sehr kurzen Anlagezeiträumen liegen konservative Hebel (untere Quantile, z. B. 1–5 %) meist bei oder unter 1. Selbst bei chancenorientierteren Quantilen steigen die sinnvoll vertretbaren Hebel nur moderat über 1, weil einzelne ungünstige Startpunkte (z. B. kurz vor größeren Crashs) die relativen Nachteile von Hebelstrategien stark erhöhen.
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Mittlere Horizonte (≈ 15 Jahre): Für etwa 15-jährige Anlagezeiträume verläuft das 10-Prozent-Quantil der optimalen Hebel in Notgroschens Analyse ungefähr bei k ≈ 1,0. Das stützt die verbreitete Faustregel, dass ein ungehebelter MSCI-World-Investmentsparplan über 15 Jahre historisch sehr robust war: In etwa 90 % der historischen Fälle wäre ein Hebel von 1 oder höher sinnvoll gewesen, in rund 10 % der Fälle hätte ein geringerer Hebel (unter 1) zu einem besseren Ergebnis geführt. Die stark konservative 1-Prozent-Variante liefert für 15 Jahre dagegen Hebel deutlich unter 1.
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Lange Horizonte (≥ 25–30 Jahre): Für Anlagezeiträume ab etwa 25 bis 30 Jahren verschiebt sich die Verteilung optimaler Hebel deutlich nach oben. In Notgroschens Beispiel mit 30-jährigen Einmalanlagen ergibt das 1-Prozent-Quantil, also eine sehr vorsichtige Definition des „konservativen Hebels“ – Werte von rund k ≈ 1,5 im Basisdatensatz und k ≈ 1,1 im stark konservativen Szenario ohne Nullzinsphase. Hebel unterhalb dieser Größenordnung waren in der historischen Stichprobe praktisch nie renditemaximal. Für höhere Quantile (z. B. 10–25 %) liegen die optimalen Hebel noch deutlich darüber, was aber mit entsprechend höheren Drawdowns einhergeht.
Zusammengefasst lässt sich aus dieser bewusst konservativen, Quantil basierten Betrachtung ableiten:
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Für kurze Anlagezeiträume ist ein Hebel aus k ≤ 1 konservativer Sicht eher die Obergrenze als die Untergrenze.
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Im Bereich um 15 Jahre lässt sich das „ungehebelte“ Investment (k ≈ 1) gut mit dem 10-Prozent-Quantil begründen; strengere Quantile liefern Hebel < 1.
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Für sehr lange Horizonte (≥ 25–30 Jahre) liegen konservative Hebelbereiche, abhängig vom zugrunde gelegten Zins- und Renditeszenario, im Bereich von etwa k ≈ 1,1 bis k ≈ 1,5.
Ein Anleger kann den gewünschten Hebel damit als Funktion aus verfügbarer Zeit und Toleranz wählen: Niedrige Quantile (z. B. 1–5 %) bilden ein sehr vorsichtiges Sicherheitsverständnis ab, höhere Quantile (z. B. 10–25 %) erlauben mehr Renditechancen, akzeptieren aber, dass in einem relevanten Anteil der historischen Fälle ein geringerer Hebel vorteilhafter gewesen wäre.
Die hier skizzierte Logik und die Größenordnungen der Hebel basieren auf der von Notgroschen im Video „Optimaler Hebel beim MSCI World: Ein rationaler Leitfaden“ vorgestellten Methodik und den dort gezeigten Quantilkurven über Anlagehorizonte von 5 bis 35 Jahren. Die exakten Werte und die Wahl des Quantils sind jedoch modell- und anlegerspezifische Setzungen und sollten als Orientierung, nicht als starre Optimallösung verstanden werden. [5]
2.4 HFEA und europäische Varianten (nach Reddituser ZahlGraf)
Die HFEA-Strategie („Hedgefundie’s Excellent Adventure“) ist eines der bekanntesten community-basierten Beispiele für einen systematisch gehebelten Portfolioansatz. Sie geht auf einen Beitrag des Nutzers „Hedgefundie“ im Bogleheads-Forum zurück. Das Portfolio besteht aus zwei nahezu gleich gewichteten Bausteinen: einem Wachstumsanteil, der in positiven Marktphasen hohe Renditen liefern soll und einem Hedge-Anteil, der in Krisen einen großen Teil des Vermögens stabil hält. In der Praxis nutzt Hedgefundie dafür einen dreifach gehebelten S&P-500-ETF (UPRO) als Wachstumsbaustein und einen dreifach gehebelten Long-Term-Treasury-Fonds (TMF) als Hedge. Ursprünglich wurde eine 40/60-Aufteilung vorgeschlagen, später nach zusätzlichen Backtests auf 55/45 angepasst, jeweils mit quartalsweisem Rebalancing. In den historischen Daten profitiert die Strategie von dem über weiten Strecken nur schwachen Korrelation zwischen US-Aktien und langlaufenden US-Staatsanleihen, da das Rebalancing in Krisen systematisch aus dem gestiegenen Hedge in den gefallenen Aktienbaustein umschichtet.
u/ZahlGraf greift dieses Konzept in seiner Reihe „ZahlGrafs Exzellente Abenteuer“ auf und untersucht, inwieweit sich eine HFEA-ähnliche Strategie unter europäischen Rahmenbedingungen nachbauen lässt, also mit hier verfügbaren Produkten, UCITS-Regeln, deutscher Besteuerung und ohne direkten Zugang zu den US-Original-ETFs. Er rekonstruiert dazu historische Datenreihen, modelliert verschiedene Portfoliovarianten und diskutiert die praktischen Grenzen (fehlende 3x-UCITS-ETFs, ETN-Emittentenrisiko, Steuerthematik im Euro-Raum).
Eine ausführliche Behandlung dieser Strategie würde den Rahmen dieses Papers sprengen; sie soll hier dennoch nicht unberücksichtigt bleiben. Für Details verweise ich auf die vollständige Beitragsreihe von ZahlGraf.
Quellen:
[1] UBS / ehem. Credit Suisse: Global Investment Returns Yearbook
[3] Christian Larsen: An Evaluation of Leveraged Exchange Traded Funds, Copenhagen Business School
[4] u/ChemicalStats (Reddit): ChemStats Archiv: Eine kleine Reise in gehebelte Welten – Vectis Mundi (Teil I)
[5] Notgroschen (YouTube), 2025: Optimaler Hebel beim MSCI World: Ein rationaler Leitfaden





